Olaf kann auch anders
Der als „Lame Duck“ verschriene Noch-Bundeskanzler hebt überraschend zu einem friedenspolitischen Höhenflug ab.
Was macht eigentlich ... Olaf Scholz? Um den SPD-Politiker war es in letzter Zeit still geworden. Hinter den Geistesgrößen um Lars Klingbeil und Saskia Esken trat er bescheiden in den Schatten zurück. Es braucht schon akribische Recherchen, um herauszufinden, dass Scholz nominell noch immer Bundeskanzler ist. Nun machte er mit einer aufsehenerregenden Volte von sich reden und trat einem Friedensbündnis bei. Wie das? Fing für Olaf Scholz mit 66 Jahren ein neues Leben an? War es tatsächlich ein Damaskus-Erlebnis gewesen, was den Kanzler zur Umkehr bewegte? Oder hat er schlicht vergessen, dass er noch bis vor Kurzem für Krieg gewesen war? Vielleicht liegt die Lösung auf einer anderen Ebene. Wenn gemeldet wird, dass ein Spitzenpolitiker einen Fehler eingesteht, steckt dahinter vermutlich eine Satire.
Zunächst konnte ich es nicht glauben, aber Olaf Scholz zeigt endlich sein wahres Gesicht!
Olaf Scholz, den viele als CEO = Cum-Ex-Olaf beschimpften und für einen Kapitalknecht in Diensten der betrügerischen CumEx-Bankenindustrie, zudem Vorsteher einer notorischen Verrätertruppe seit 1914 und russophoben Kriegshetzer hielten, ist in seinem tiefsten Herzen ganz anders.
Im Bewusstsein, dass er schon bald nicht mehr den Zwängen des dritthöchsten Staatsamtes unterworfen sein wird, spricht er sich nun eindeutig für eine Friedenspolitik aus: Er trat vor zwei Tagen der im Aufbau befindlichen und von einem Team unter Ulrike Guérot gegründeten PEACE-Initiative bei, um ein Zeichen der Verständigung und Versöhnung nach innen und außen zu setzen.
Damit ist auch für Pessimisten und Dauerquerulanten der Beweis erbracht: Es ist nie zu spät, sich von einem bösartigen, die Bevölkerung spaltenden Saulus in einen friedensbewegten Paulus zu verwandeln. Wir erinnern uns noch mit Schaudern: Scholz hatte friedensbewegte Menschen im August 2023 als „aus der Hölle gefallene Engel“ bezeichnet. Die Empörung war damals zu Recht sehr groß; manche glaubten, Scholz greife jetzt hasserfüllt auf die Terminologie der Bibel zurück.
Der scheidende Bundeskanzler erklärte in seinem umfangreichen Beitrittsschreiben an das European Peace Project weiter, er entschuldige sich vielmals für „seine peinliche Entgleisung“ im Rahmen der damaligen Wahlkampfveranstaltung. „Mich müssen die aufgeheizte Atmosphäre des Wahlkampfes, der ständige Stress und der Schlafmangel komplett um den Verstand gebracht haben. Mit mir sind ganz einfach die Pferde durchgegangen“, so Scholz in dem Schreiben. Und weiter:
„Ich befand mich seinerzeit in einer totalen Zwickmühle und stand vor der Entscheidung: Sollte ich die Brocken einfach hinschmeißen oder mich für meine Partei noch einmal ins Zeug legen? Viele setzten auf den Kanzlerbonus, obwohl ich wusste, wie schlecht die Wahlaussichten für die SPD waren. Tatsache war: Die Finanzindustrie bedrängte mich unmittelbar nach der Corona-Operation, noch höhere Schulden aufzunehmen, und drohte, uns weitere Kredite zu verweigern und über die Rating-Agenturen abzustrafen, wenn wir die Schuldenbremse nicht aufhöben. Auch drängten uns die NATO-Granden unter US-Führung, aber auch Frankreich, England, Polen, die baltischen Staaten und die EU-Kommission zu höheren Militär- und Rüstungsanstrengungen, um Russland massiv zu schaden. Ich wusste ganz einfach nicht mehr weiter. Doch jetzt kann ich endlich meinem Gewissen folgen — wenn auch nicht mehr in der Funktion als Bundeskanzler. Jetzt will ich das Verständigungswerk Willy Brandts Richtung Osten fortsetzen. Dafür gebe ich allen mein Ehrenwort.“