Der Farm entwachsen

Im Manova-Exklusivgespräch spricht Greg Reese mit Tom-Oliver Regenauer über sein turbulentes Leben, die Zeit bei Infowars, Alex Jones’ wundersame Wandlung zum MAGA-Propagandisten, postmoderne Nutzmenschhaltung und potenzielle Kataklysmen.

Die meisten kennen ihn durch seine Arbeit bei Infowars, der 1999 gegründeten und mittlerweile zur MAGA-Werbeplattform verkommenen Internetpräsenz von Alex Jones, einer schillernden wie kontroversen Figur, die einst durch Recherchen zu transgenerationalen Herrschaftseliten, globalistischer Machtergreifung, Widerstand gegen den Polizeistaat und die Infiltration von Bohemian Grove von sich reden machte. Gut sechs Jahre lang produzierte Greg Reese, der sich nicht als Journalist, sondern Künstler bezeichnet, dort eines der gefragtesten Formate: den Reese Report — kurze, hochverdichtete Videobeiträge mit einer durchschnittlichen Länge von fünf Minuten, die sich mit einer Vielzahl von Themen auseinandersetzten und Millionen von Zuschauern erreichten.

Reese’ Werdegang ist das, was man als bewegtes Leben bezeichnen würde. Nach einer von rituellem Missbrauch und ergebnisloser Sinnsuche überschatteten Jugend als musikaffines Hippie-Kind ging er im Alter von 19 Jahren zum Marine Corps. Dort schickte man ihn in die Wüste. Erst sprichwörtlich. Dann im metaphorischen Sinne. Denn als er sich in der sandigen Unwirtlichkeit des Nahen Ostens als das erkannt hatte, was er ist — ein sensibles Wesen, das sich von Intuition und Werten leiten lässt —, konnte er es nicht mehr mit sich vereinbaren, Soldat zu sein. Für ein korruptes System töten wollte er, entgegen seinem jugendlich-leichtsinnigen Übermut bei Dienstantritt, nicht mehr. Man erklärte ihn für verrückt und schickte ihn nach Hause. Auch wenn er nicht wusste, wo das war.

Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch, bis er — weiterhin verfolgt von seiner Vergangenheit und daraus resultierenden Depressionen — in einen Ashram flüchtete, wo er drei Jahre lang in nahezu vollständiger Isolation lebte, auf der Suche nach sich selbst und seiner Zukunft. Seine diesbezüglichen Erfahrungen dokumentierte er in einem 2017 publizierten Buch namens „Sex, Drugs & OM — Autobiographie eines amerikanischen Yogi“, ein 308 Seiten umfassendes, teils persönliches, teils gesellschaftskritisches Werk, dessen schonungslose, ja brutale Direktheit stellenweise an die Schriften Charles Bukowskis erinnert.

Der katalysierende Prozess des Schreibens versetze Reese in die Lage, wieder in den Spiegel und nach vorne schauen zu können. Auf ein selbstbestimmtes, weil nicht mehr von Ängsten und Selbstzweifeln dominiertes Sein. So verließ er den Ashram und ging nach Hawaii, wo ein Vulkanausbruch seinen Plänen für einen motivierten Neustart einen Strich durch die Rechnung machte — und gleichzeitig den Weg zurück aufs amerikanische Festland und schließlich zu Infowars ebnete, später sogar zeitweise nach Russland. John Lennons Spruch, „Leben ist, was passiert, während man plant“, scheint die bis dato einzige Konstante auf Gregs von Untiefen erschwertem Kurs durch die Zeit zu markieren.

Bei Infowars wollte er sich 2018 einbringen, um Stellung zu beziehen. Um öffentlich klarzustellen, dass er die speziell von US-Präsidenten regelmäßig beschworene „Neue Weltordnung“ nicht unterstützen, sondern bekämpfen wird. Dass er ein freier Mensch ist, der sich der Nutzmenschhaltung durch postmoderne Demokratiesimulation verweigert.

Aus dem gleichen Grund kündigte er im Dezember 2024 wieder. Denn anstatt die US-Regierung zu kritisieren, macht Infowars nun Werbung dafür. Alex Jones scheint nach dem Sandy-Hook-Schauprozess die Seiten gewechselt zu haben.

Greg Reese allerdings nicht. Und das soll jeder wissen. So ließ er Millionen von Zuschauern, ein veritables Einkommen und seine Krankenversicherung hinter sich und stellte klar: „Ich bin lieber komplett pleite, als dabei zu helfen, die Menschheit in ein digital-totalitäres KI-Kontrollnetzwerk zu treiben.“

Greg Reese ist der nicht domestizierte Eindringling — oder Aussteiger — auf Orwells „Farm der Tiere“, die eine Mehrzahl unserer Zeitgenossen heute als Habitat akzeptiert, obwohl die Schweine zusehends totalitärer werden.

Im Manova-Exklusivgespräch spricht Greg Reese mit Tom-Oliver Regenauer über seinen bewegten Werdegang, seine Zeit bei Infowars, Alex Jones’ wundersame Transformation zum MAGA-Sprachrohr, die Nutzmenschhaltung der Postmoderne und eine ungewisse Zukunft, die seinen Recherchen zufolge nicht mit einem Dritten Weltkrieg, sondern der sprunghaften Veränderung des Erdmagnetfelds aufwarten könnte.


Tom-Oliver Regenauer im Gespräch mit Greg Reese

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